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Der gordische Knoten

 

Am 7. März 2006 wies Ulrich Müller von der LobbyControl im Weblog derselben auf ein Photo hin, welches in der Süddeutschen Zeitung zum Thema »Föderalismusreform« zu sehen war (Quelle des Artikels: Föderalismusreform: INSM-Foto in der SZ). Darunter veröffentliche Ulrich Müller ein Photo, welches auf der Internet-Seite der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (im Folgenden INSM) zu besichtigen ist.

Beide Photos zeigten die gleiche Aktion, jedoch aus verschiedenen Perspektiven. Während auf dem Photo, welches in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde, lediglich zu sehen war, daß einige junge Menschen an mehreren Seilen zogen, die in der Mitte zu einem großen Knoten zusammengebunden waren, ging aus dem Photo, welches auf der Homepage der INSM zu besichtigen ist, klar hervor, daß es sich um eine Aktion der INSM handelt. Im Hintergrund der Szene ist ein entsprechendes Transparent zu sehen, welches im Namen der INSM fordert: »Föderalismus-Reform jetzt!« (Quellen: Artikel im Weblog der Lobbycontrol; Pressephotos der INSM).

Im Untertitel des Photos aus der Süddeutschen Zeitung hieß es:

»Mit einem gordischen Knoten hatten Kritiker die verschlungenen Wege der deutschen Gesetzgebung oft verglichen und, wie die Demonstranten im Februar in Berlin (Foto oben), verlangt, dieses Knäuel zu zerschlagen.« (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 6. März 2006, Seite 2)

Am 18. März 2006 tauchte das Photo erneut in der Süddeutschen Zeitung zum Thema Föderalismusreform auf, diesmal untertitelt mit den Worten:

»Gordischer Knoten Föderalismusreform:Die geplante größte Staatsreform seit Gründung der Bundesrepublik 1949 muss derart unterschiedliche Interessen austarieren, dass noch nicht einmal die Methode Alexanders des Großen helfen würde – einfach durchhauen.« (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 18./19. März 2006, Seite 10).

Beide Male wurde die Deutsche Presseagentur (dpa) als Quelle des Photos angegeben. Einen Hinweis darauf, daß es sich bei der »Demonstration« um eine Aktion der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft handelt, gab es beide Male weder im Begleittext des Photos, noch in den Texten der begleitenden Artikel.

Auf meine Anfrage hin erklärte mir die Bild-Redaktion der Süddeutschen Zeitung, daß sie ein Abonnement bei der dpa habe und von dort täglich zahlreiche Photos mit Kurztexten zugeschickt bekomme. Der Kurztext zum Photo des gordischen Knotens lautete:

»Demonstration zur Föderalismusreform Junge Leute ziehen am Donnerstag (16.02.2006) vor dem Reichstagsgebäude in Berlin an einem großen gordischen Knoten. Die Demonstration fand anlässlich der Tagung der Föderalismuskommission im Parlamentsgebäude statt. Die größte Staatsreform seit 1949 soll am 10. März erstmals im Bundestag beraten werden. Foto: Bernd Settnik dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++«

Ersichtlich hier: Perspektive des Photos und begleitender Text der dpa gab für die Süddeutsche Zeitung keinen Anlaß, eine Aktion der INSM zu vermuten. Eine Anfrage bei der dpa, wie es dazu kommen konnte, daß dieses Photo ohne Hinweis auf die Initiatoren dieser »Demonstration« an die Zeitungen verschickt werden konnte, blieb bis heute unbeantwortet.

Udo Ehrich, 16. Mai 2006

dpa: Verschweigen des INSM-Hintergrundes ein Fehler

Am Freitag, dem 26. Mai 2006 meldete sich ein Mitarbeiter der dpa telephonisch bei mir um Stellung zu meinem Anschreiben zu nehmen.

Er erklärte, daß es nicht nachvollziehbar sei, warum es zu dem Photo keinen Hinweis gegeben habe, daß die Veranstalter der Aktion die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sei. Auch seiner Meinung nach hätte darauf hingewiesen werden müssen, von wem die Aktion inszeniert worden sei. »Auch wir machen Fehler«, erklärte er.

Darüber hinaus führte er aus, daß es ihn wundere, warum das Photo überhaupt in den Umlauf gekommen sei, denn ein so besonderes Motiv sei es nicht. Auch zeigte er sich überrascht, daß es von der Süddeutschen Zeitung gar zwei Mal veröffentlicht worden sei.

Auf den Vorhalt, daß das Photo manipulativ sei, weil nicht nur der Hinweis im Begleittext fehle, sondern auch die Perspektive so gewählt wurde, daß das Transparent verdeckt wurde, auf dem der Urheber der Aktion nachzulesen gewesen wäre, erklärte der Mitarbeiter der dpa, daß dies gewiß nicht aus Absicht geschehen sei, und daß der Photograph mit dem Knoten in der Mitte überhaupt ein lohnenswertes Motiv schaffen wollte.

Festzustellen bleibt also, daß der Mitarbeiter der dpa einen Fehler eingeräumt hat und offensichtlich auch der Auffassung ist, daß bei einer solchen Aktion der Veranstalter genannt werden muß. Auf den Vorhalt der Manipulation reagierte er angefaßt, wobei eine Manipulation des Betrachters objektiv vorliegt, sei sie absichtsvoll oder nicht, denn aus dem Bild und dem Bildtext kann er den Kontext der Aktion, nämlich die Kundgebung eines arbeitgebernahen Vereins, nicht erschließen.

Inzwischen berichtet LobbyControl vom erneuten Auftauchen eines Photos von dieser INSM-Aktion, welches im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Föderalismusreform gezeigt wird, diesmal auf den Internetseiten des ZDF (Quelle: LobbyControl: INSM-Foto auf ZDF-Webseite). Dabei handelt es sich jedoch nicht um das dpa-Photo, sondern um ein weiteres Photo von dieser Aktion, bei dem erneut die Urheber nicht ersichtlich sind, und bei dem ebenfalls im Begleittext nicht erwähnt wurde, wer diese Aktion inszeniert hat.

© Udo Ehrich 21.06.2006

Weitere Verweise:

LobbyControl:

- Föderalismusreform: INSM-Foto in der SZ

- Föderalismusreform II: dpa und das INSM-Foto

 


Buchveröffentlichung: INSM & Co. Wie die Wirtschaft unser Bewußtsein steuern will

Die 2. aktualisierte und erweiterte Auflage ist im Buchhandel und Online-Shops wie buch.de, buecher.de und ebook.de erhältlich. Auch als E-Book: buch.de, buecher.de, ebook.de.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wurde Anfang 2000 ins Leben gerufen nachdem die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektronindustrie erschreckt feststellten, daß sich der größere Teil der Bevölkerung einen starken Sozialstaat wünscht. Gesamtmetall nahm mit Erschrecken zur Kenntnis, daß die Menschen dem Staat mehr vertrauten als dem Markt.

Dies war der Ausgangspunkt um eine Werbeagentur damit zu beauftragen, den Menschen die "neue soziale Marktwirtschaft" nach Lesart der Arbeitgeberverbände schmackhaft zu machen: Weniger Staat, mehr Markt, Privatisierung sozialer Risiken zur Entlastung der Arbeitseinkommen, Haushaltsdisziplin des Staates und Sparen vor allem im sozialen Bereich.

Dies Buch schaut sich in erster Linie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft an und diskutiert die Strategien und Vorgehensweise dieser Einrichtung. Neben einer intensiven Befassung mit der INSM wird auch ein Blick auf die Kampagne "Du bist Deutschland" geworfen sowie weitere Ideenagenturen untersucht und deren Verbindungen oder Gemeinsamkeiten mit der INSM beleuchtet.